Ich mag Fisch oder eigentlich fast alles was aus dem Meer kommt. Sehr, sehr gerne sogar. Als kleines Kind habe ich ein paar Jahre in einem Land mit großer Lebensmittelknappheit verbracht. Die Interfranca war damals ein Schrottladen, auf dem Markt gab es meist trauriges Gemüse, Fleisch war eine Seltenheit aber der (illegale) Fischmarkt außerhalb der Stadt hatte immer einige Meeresschätze zu bieten. Häufig tauschten meine Eltern dort Kerzen, Öl, Öl-Sardinen und Seife gegen frischen Fisch oder Camarau ein. Die dortige Währung hatte enorm an Wert verloren, weshalb man eben auf solche Tauschgeschäfte angewiesen war. Das war früher. Heute kann ich mir meinen Fisch fast überall kaufen. Jeder Discounter verfügt über einige Sorten Tiefkühlfisch aber frisch schmeckt es eben doch immer am besten. Ich muss an dieser Stelle sagen, das ich trotz Überfischung, Umweltkatastrophen und Fangmassakern nicht ganz auf Fisch verzichte möchte. Genauso wie beim Fleisch versuche ich aber den Fischkonsum einzuschränken und habe mich auch schon oft gefragt, welchen Fisch ich eigentlich noch mit halbwegs gutem Gewissen essen kann. Nun bin ich in letzter Zeit häufiger über followfish gestolpert. Und weil followfish und ich seit neustem “Freunde” bei Facebook sind, musste ich mir das Konzept einmal genauer anschauen und den Fisch ausprobieren.

Followfish steht für nachhaltig gefangene oder gezüchtete Fischprodukte. Ich habe eine Packung Kabeljau Filets bei real gekauft. Auf jeder Packung gibt es einen Tracking-Code mit dem man im Internet nachschauen kann, wo der Fisch gefangen wurde und welchen Weg er zum Verbraucher und-oder Koch zurückgelegt hat. Neben Naturfilets bietet followfisch auch Convenience- und Konservenprodukte an. followfish möchte setzt auf Fischprodukte die wirklich nachhaltig gefangen oder gezüchtet wurden und die man mit “reinem Gewissen” genießen kann. Alle Fangbetriebe sind MSC-zertifiziert und der Fisch wird sehr bald nach dem Fang verarbeitet und gefroren. Leider sind Fisch-Nachhaltigkeitssiegel wie das vom MSC schon länger umstritten und eine aktuelle Geomar-Studie kommt mit ernüchternden Ergebnissen daher. Beispielsweise sind die Grenzwerte der Überfischung nicht klar definiert und die Aufnahmekriterien sicher reformbedürftig.

Ganz rein waschen wird man sein Gewissen nie können aber besser geschmeckt als jeder Discount-Kabeljau hat der followfish auf alle Fälle. Für TK-Fisch sogar äußerst gut. Ich habe die Kabeljaustücke dünn in Mehl gewendet und ca. 6 Minuten angebraten. Wenn der Fisch gut aufgetaut ist, würde ich diese Zeit nicht viel weiter überschreiten. Dazu gab es einen Limetten-Chili-Dip und ein Paprika-Stangensellerie-Gemüse mit Ingwer, Fisch- und Sojasoßendressing und Reis. Ich werde weiterhin die ganzen Fische vom türkischen Fischladen in der Nachbarschaft bevorzugen aber wenn es scnell gehen soll, ist followfisch auf alle Fälle eine gute Alternative.

followfish ist auf alle Fälle ein Schritt in die richtige Richtung aber optimierungswürdig bleibt der Lieferweg. Laut des Kabeljau Tracking-Codes Nr. F101624 wurde der Fisch von Velsen in Holland nach Marijampole in Litauen und später nach Bocholt transporiert. Zwischen Holland und Litauen liegen Deutschland und Polen und damit ganz schön viele Kilometer an Strecke. Ich vermute mal, das der Fisch in Litauen verkaufsfertig verpackt wurde aber genau kann ich das nicht sagen. Eine Verbesserung ist hier sicher möglich, widerspiegeln wird sich das aber bestimmt noch weiter im Preis und es ist natürlich leider sehr fraglich, in wie weit der Verbaucher bereit ist diesen zu tragen.

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